Die Zahl auf dem Modul sagt, was es unter Laborbedingungen kann. Was am eigenen Balkon davon ankommt, entscheiden vier Größen: Himmelsrichtung, Neigung, Verschattung und Standort. Der Reihe nach.
Der Ausgangswert
In Deutschland liefert ein Kilowattpeak installierter Modulleistung bei optimaler Ausrichtung etwa 950 bis 1050 Kilowattstunden im Jahr. Optimal heißt: nach Süden, 30 bis 35 Grad geneigt, unverschattet.
Von diesem Wert zieht jede Abweichung ab. Die folgenden Prozentangaben beziehen sich immer auf dieses Optimum.
Himmelsrichtung
- Süd: 100 %
- Südost / Südwest: 95–97 %
- Ost / West: 80–85 %
- Nordost / Nordwest: 60–70 %
- Nord: 40–55 %
Bemerkenswert ist, wie flach die Kurve zwischen Südost und Südwest verläuft. Eine Abweichung von 45 Grad kostet drei bis fünf Prozent – das ist weniger, als die meisten erwarten, und es heißt: Wer nicht exakt nach Süden kann, verliert kaum etwas.
Selbst Nord ist nicht null. Eine Nordfassade bekommt diffuses Licht und im Hochsommer morgens und abends direkte Sonne. Wirtschaftlich ist das selten, unmöglich ist es nicht.
Neigung
Bei Südausrichtung:
- 30–35°: 100 % – das Optimum übers Jahr
- 15–20°: 96–98 %
- 45°: 97–99 % – mehr Winter-, weniger Sommerertrag
- 0° (flach): 87–90 %
- 90° (senkrecht): 68–72 %
Der letzte Wert ist der wichtigste, denn er beschreibt den häufigsten Fall: das Modul flach an der Geländeraußenseite. Rund 30 Prozent Verlust gegenüber dem Optimum – spürbar, aber kein Ausschlusskriterium.
Eine Aufständerung um nur 20 bis 30 Grad holt davon den größten Teil zurück. Wo der Balkonboden Platz bietet, ist das die wirksamste einzelne Maßnahme überhaupt – wirksamer als ein leistungsstärkeres Modul.
Der Sonderfall Winter
Ein senkrechtes Modul hat einen Vorteil, der in Jahressummen untergeht: Im Dezember steht die Sonne so tief, dass ein steiler Winkel besser passt als ein flacher. Ein Geländermodul liefert im Winter anteilig mehr als ein flach aufgeständertes – und Winterstrom ist der, den man am sichersten selbst verbraucht, weil im Dezember nie ein Überschuss entsteht.
Am Jahresergebnis ändert das wenig, an der Wirtschaftlichkeit etwas mehr.
Verschattung: der größte Einzelposten
Hier lassen sich die größten Erträge gewinnen und verlieren. Ein Nachbarbalkon, der ab 14 Uhr die untere Hälfte des Moduls abdeckt, kostet mehr als eine schlechte Himmelsrichtung.
Zwei Bauteile mildern das ab. Half-Cut-Zellen teilen das Modul elektrisch in zwei Hälften – liegt die untere im Schatten, liefert die obere weiter. Bypass-Dioden überbrücken verschattete Zellstränge, damit sie den Rest nicht ausbremsen. Beides ist bei den Modulen im Sortiment Standard.
Der dritte Hebel liegt beim Wechselrichter: Ein eigener MPP-Tracker je Modul verhindert, dass ein verschattetes Modul das unverschattete mit herunterzieht. Bei zwei Modulen an einem gemeinsamen Tracker passiert genau das. Die Zahl der Tracker steht im Datenblatt jedes Wechselrichters.
Was keines dieser Bauteile ersetzt: einen Blick auf den Balkon zu unterschiedlichen Tageszeiten, bevor man kauft.
Standort
Zwischen Norddeutschland und dem Alpenvorland liegen etwa 15 Prozent. Flensburg kommt auf rund 950 kWh je kWp, München auf rund 1150. Der Unterschied ist real, aber gegenüber Neigung und Verschattung zweitrangig – und er lässt sich ohnehin nicht ändern.
Warum Ost-West oft besser ist als Süd
Wer zwei Module hat und sie in unterschiedliche Richtungen hängen kann, sollte das ernsthaft erwägen – obwohl die Jahressumme dabei sinkt.
Der Grund liegt im Verlauf über den Tag. Eine Südanlage erzeugt eine schmale Spitze um die Mittagszeit. Überschreitet diese Spitze den Momentanverbrauch, geht der Überschuss für wenige Cent ins Netz. Eine Ost-West-Anlage erzeugt weniger, verteilt es aber auf Morgen und Abend – also auf die Zeiten, in denen in den meisten Haushalten tatsächlich Strom gebraucht wird.
Beispiel: Eine Südanlage mit 550 kWh und 60 Prozent Eigenverbrauch bringt 330 selbst genutzte Kilowattstunden. Eine Ost-West-Anlage mit 470 kWh und 80 Prozent Eigenverbrauch bringt 376. Weniger Ertrag, mehr Ersparnis.
Dasselbe Ziel verfolgt ein Speicher, nur auf anderem Weg – und zu höheren Kosten.
Eine Beispielrechnung
Zwei Module mit zusammen 860 Wattpeak, senkrecht am Südwest-Geländer in Kassel, nachmittags teilweise verschattet:
- Ausgangswert: 0,86 kWp × 1000 kWh = 860 kWh
- Ausrichtung Südwest: × 0,96 = 826 kWh
- Senkrecht: × 0,70 = 578 kWh
- Teilverschattung ab 15 Uhr: × 0,88 = rund 510 kWh
Das deckt sich mit der Spanne von 500 bis 650 kWh, die für eine 800-W-Anlage üblich angegeben wird – hier am unteren Ende. Mit einer Aufständerung auf 25 Grad wären es rund 700 kWh.
Was das an Geld bedeutet, hängt am Eigenverbrauch und lässt sich im Amortisationsrechner mit den eigenen Werten durchspielen.
Die Rangfolge der Maßnahmen
- Verschattung vermeiden – bis zu 40 % Unterschied
- Aufständern statt senkrecht – bis zu 30 %
- Mehr Modulleistung als Einspeiseleistung – 10 bis 20 % nutzbarer Mehrertrag
- Ausrichtung zwischen Südost und Südwest optimieren – 3 bis 5 %
Wer nur eine Sache ändern kann, ändert die erste.
Stand: August 2026. Alle Prozentangaben sind gerundete Richtwerte für Deutschland. Eine standortgenaue Abschätzung liefert das kostenlose PVGIS-Werkzeug der Europäischen Kommission.