„Amortisiert sich in drei Jahren“ ist die häufigste Aussage in der Werbung für Balkonkraftwerke und eine der am seltensten belegten. Dieser Text rechnet den Fall durch – mit allen Posten, auch den unbequemen.
Was auf der Rechnung steht
Ein Komplettset mit zwei Modulen und Mikro-Wechselrichter liegt derzeit üblicherweise zwischen 350 und 700 Euro, je nach Modulleistung und Ausstattung. Bei Photovoltaikkomponenten fällt nach § 12 Abs. 3 UStG keine Umsatzsteuer an – die genannten Preise sind Endpreise.
Ein Speicher kommt je nach Kapazität im mittleren bis oberen dreistelligen Bereich hinzu.
Was nicht auf der Rechnung steht
Drei Posten fehlen bei fast jedem Set und werden bei Preisvergleichen regelmäßig übersehen:
- Halterung: 40 bis 150 Euro. Sie hängt von der Montagesituation ab – Geländerklemme, Wandhalter oder beschwerte Aufständerung – und kann deshalb keinem Set beiliegen. Eine Aufständerung kostet mehr als eine Klemme und bringt bis zu 30 Prozent mehr Ertrag; siehe Ausrichtung und Neigung.
- AC-Anschlusskabel: 15 bis 40 Euro. Die Länge richtet sich nach dem Abstand zur Steckdose.
- Gegebenenfalls eine Außensteckdose nach IP44, falls keine in Reichweite ist.
Realistisch sind damit 60 bis 200 Euro über dem Setpreis. Der genaue Lieferumfang steht bei jedem Komplettset ausdrücklich dabei.
Die laufenden Kosten
Hier ist die Nachricht gut: Es gibt praktisch keine. Der Zählertausch durch den Netzbetreiber ist kostenfrei, Wartung fällt keine an, Reinigung ist in Deutschland bei geneigten Modulen entbehrlich.
Zwei Posten gehören trotzdem in eine ehrliche Rechnung:
- Wechselrichtertausch nach 10 bis 15 Jahren. Die Module halten 25 bis 30 Jahre, der Wechselrichter nicht. Über eine 20-Jahres-Betrachtung ist ein Ersatzgerät einzuplanen.
- Messstellenbetrieb. Wird ein intelligentes Messsystem verbaut, kann eine jährliche Gebühr anfallen – für Haushalte mit geringem Verbrauch gedeckelt, aber nicht immer null. Siehe Welchen Stromzähler brauche ich?
Die Einnahmenseite
Hier liegt der Punkt, an dem die meisten Rechnungen zu optimistisch werden. Nicht jede erzeugte Kilowattstunde ist gleich viel wert.
Selbst verbraucht spart sie den vollen Arbeitspreis – aktuell meist 28 bis 35 Cent. Eingespeist bringt sie wenige Cent, in der Praxis meist gar nichts: Für die 100 bis 200 Überschuss-Kilowattstunden einer Balkonanlage lohnt sich für keine Seite ein Einspeisevertrag.
Die relevante Größe ist deshalb nicht der Ertrag, sondern der Eigenverbrauchsanteil: typischerweise 60 bis 70 Prozent, mit Speicher bis zu 90.
Eine Rechnung mit realistischen Werten
Angenommen: 800-W-Set mit 860 Wattpeak, Geländermontage in mittlerer Lage, Zwei-Personen-Haushalt mit Teilzeit-Homeoffice.
- Set: 490 €
- Geländerhalterung: 90 €
- Anschlusskabel: 25 €
- Gesamt: 605 €
Ertrag: 860 Wp senkrecht am Südwest-Geländer ergeben rund 550 kWh im Jahr. Bei 68 Prozent Eigenverbrauch sind das 374 selbst genutzte Kilowattstunden. Bei 30 Cent Arbeitspreis: 112 Euro Ersparnis im Jahr.
Einfache Amortisation: 605 ÷ 112 = 5,4 Jahre. Mit Modulalterung von etwa 0,45 Prozent jährlich rund 5,6 Jahre.
Bei einer angenommenen Nutzungsdauer von 25 Jahren und einem eingerechneten Wechselrichtertausch bleibt über die Laufzeit ein Ergebnis im niedrigen vierstelligen Bereich – ohne jede Strompreissteigerung.
Was die Rechnung kippt
Nach oben: Aufständerung statt Geländer (bis 30 % mehr Ertrag), höherer Arbeitspreis, hoher Tagesverbrauch, mehr Modulleistung hinter derselben Einspeiseleistung.
Nach unten: Verschattung (bis 40 % Verlust), Nordausrichtung, niedriger Eigenverbrauch, ein Speicher, der sich in kleinen Anlagen selten trägt – die Rechnung dazu steht unter Lohnt sich ein Speicher?
Die Drei-Jahres-Behauptung
Damit ein Balkonkraftwerk sich in drei Jahren amortisiert, müssten bei 605 Euro Gesamtkosten jährlich rund 200 Euro Ersparnis anfallen – also etwa 670 selbst verbrauchte Kilowattstunden. Bei 550 kWh Jahresertrag ist das rechnerisch unmöglich.
Erreichbar wäre es mit einer aufgeständerten Anlage, 90 Prozent Eigenverbrauch und einem hohen Arbeitspreis – oder mit einem Set zum halben Preis. Als Regelfall taugt die Zahl nicht. Fünf bis sieben Jahre sind die ehrliche Spanne, und das ist für eine Anschaffung mit 25 Jahren Lebensdauer ein gutes Ergebnis.
Förderung prüfen
Zahlreiche Kommunen, Landkreise und Stadtwerke bezuschussen Steckersolargeräte – die Beträge reichen von 50 bis 500 Euro. Das ist der größte einzelne Hebel auf die Amortisationszeit und der am häufigsten übersehene.
Zwei Dinge sind dabei zu beachten: Anträge müssen fast immer vor dem Kauf gestellt werden, und die Programme sind oft nach wenigen Wochen ausgeschöpft. Nachfragen lohnt bei der eigenen Stadt oder Gemeinde und beim örtlichen Stadtwerk.
Mit den eigenen Zahlen
Die Rechnung oben arbeitet mit Durchschnittswerten, und der eigene Haushalt weicht davon ab – beim Arbeitspreis, beim Tagesverbrauch, bei der Verschattung. Der Amortisationsrechner nimmt die eigenen Werte entgegen und legt offen, mit welchen Annahmen er arbeitet.
Stand: August 2026. Preise und Strompreise sind Momentaufnahmen; die Rechenwege bleiben gültig, die Zahlen darin nicht.